Bericht zu „Johann Rist und die Planeten“

  Johann Rists Lebenszeit im Frühbarock war von großen Umbrüchen in Politik und vielen Wissensbereichen geprägt. Im Trend seiner Zeit strebte Johann Rist nach der „Glückseligkeit, alles zu wissen“ mit dem Ziel einer vertieften Gotteserkenntnis und Glaubenserfahrung. Er beschäftigte sich daher auch mit verschiedenen Aspekten der Naturerkenntnis, wie z.B. der Pflanzenkunde oder der Alchemie. Im Vortrag beleuchtete Dr. Bakan vor allem Johann Rists Einstellung zur Astronomie und Astrologie.

Im Mittelalter sah man die Erde im Mittelpunkt des Kosmos und bemühte sich vielfach mit Hilfe der Astrologie aus den Planetenbewegungen am Himmel Hinweise auf das zukünftige Schicksal zu bekommen. Erst im 16. Jahrhundert postulierte Nikolaus Kopernikus das heliozentrische Weltbild mit der Sonne im Mittelpunkt und der Erde als normalem Planeten. Diese neue Weltsicht war aber hundert Jahre später bei weitem noch kein Allgemeingut. Wenige Jahre nach Rists Geburt wurde das Fernrohr erfunden und erlaubte Galileo Galilei bahnbrechende Beobachtungen von Sonne, Mond und unseren Nachbarplaneten. Gleichzeitig wurden durch Johannes Keplers Entdeckung der elliptischen Planetenbahnen erhebliche Verbesserungen der Vorhersagen von Finsternissen und Planetenkonstellationen möglich. Da diese Erkenntnisse aber immer noch kein absoluter Beweis für die Richtigkeit des neuen Weltbildes waren und vermeintlich im Gegensatz zur biblischen Offenbarung standen, lehnten viele kirchliche und weltliche Autoritäten diese Ideen auch noch zu Rists Lebzeiten ab.

Im Vortrag – hier finden Sie die Präsentation –  wurde nun Johann Rists Sicht des Sternenhimmels in diesem  Spannungsfeld zwischen göttlicher Offenbarung, modernem Weltverständnis und astrologischer Schicksalsdeutung beleuchtet. Johann Rist ist als gebildeter Bürger seiner Zeit an allen Naturereignissen, -erfahrungen und -erkenntnissen inklusive der Astrologie interessiert und bezieht daraus religiöse Erbauung, Glaubensbestärkung und Gotteserkenntnis. Er kann sich darüber in ungewöhnlicher Intensität erfreuen und darin vertiefen, wie der Vortrag an eindrucksvollen Beispielen seiner Beschäftigung mit Himmels- und Planetenbeobachtungen zeigte.

Als thematisch passende Musik des Abends erlebten die Gäste die Gambistin Simone Eckert mit der Suite g-Moll für Solo-Gambe von Dietrich Stöeffken, einem Zeitgenossen von Johann Rist.

Der der anschließenden Einladung zu Wein und Knabbereien folgte ein Großteil des Publikums und ließ den Abend bei angeregten Gesprächen und interessanten Begegnungen in freundlicher Atmosphäre ausklingen.

 

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