Die deutsche Sprache, eine schwere Sprache?
Der beispielhafte Dialog zwischen Liebholdt von Hasewitz und Adelheid von Ehrenberg hat vermutlich in dieser Form nie stattgefunden, jedoch, wer weiß schon, wie vor 400 Jahren geredet wurde. Johann Rist, der Autor dieser Briefe will ein Problem in den Vordergrund rücken. Es ist die deutsche Sprache selbst, die das Problem darstellt.
a) Die Form der Sprache
Das zeigt sich schon daran, dass das schriftliche Original, also das Gespräch zwischen den beiden Personen, zur besseren Verständlichkeit, der heutigen Rechtschreibung und dem heutigen Satzbau behutsam angepasst werden musste [vgl. die Original-Druckseite im Bild]. Wer das erste Mal deutsche Texte aus dem 16. und 17. Jahrhundert liest, wird viel Geduld aufbringen müssen, um den Sinn der Sätze zu erschließen. Dabei wären wir beim Thema. Offenbar kostet es heute einige Mühe, den damals verfassten Text zu verstehen. Ähnliches erlebten die Zeitgenossen von Johann Rist, fremde Texte waren auch zu seiner Zeit kaum zu verstehen. Entweder sie waren in einer fremden Sprache oder in einem Kauderwelsch aus fremden Begriffen und seltsamer Schreibweise verfasst. Wobei der bildmalerische Begriff „Kauderwelsch“ vermutlich zurückzuführen ist auf reisende Trödler, aus dem schweizer-französisch-italienischen Gebieten (die Welschen), die mit fremdartigen Waren Handel trieben (kaudern).
Johann Rist verfolgte die Absicht, so der Titel seines Buches, die „Rettung der Edlen Teutschen Hauptsprache“ voranzutreiben. Es handelt sich hierbei vermutlich um eine Rettungsaktion aus den Abgründen des „Kauderwelschs“. Aber wozu soll die die Sprache überhaupt gerettet werden? Reicht es nicht aus, sich in der Alltagssprache über alltägliche Dinge verständigen zu können?
b) Die Verständlichkeit
Wenn das so einfach wäre! Ein „Löwenzahn“ zum Beispiel. Im Deutschen ist der „Löwenzahn“ ein Teil eines Gebisses eines Raubtiers, aber auch eine Blume. Wie im Lateinischen: „taraxacum“ ist zwar ein Löwenzahn aber auch eine Butterblume oder Kuhblume. Und im Englischen heißt der Löwenzahn „hawkbit“, ein Habichts-Häppchen, im Französichen gar: „pissenlit“ was wiederum deutsch übersetzt wird mit: „Pinkle ins Bett“.
Johann Rist hat aber anderes im Sinn. Sich über alltägliche Dinge verständigen zu können? Ist das so einfach? Über die „Liebe“ zum Beispiel. Liebholdt von Hasewitz gesteht der „Dame“ seine Liebe. Die Dame, Adelheid von Ehrenberg stimmt zu. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann lieben sie sich heute noch. Johann Rist glaubt nicht an derartige Märchen (davon später mehr).