Bericht: „Wo Wedels bedeutendster Denker drucken ließ“

Wo Wedels bedeutendster Denker drucken ließ

Dr. Matthias Dworzack, der Vorsitzende der Rist-Gesellschaft, links, war begeistert vom Vortrag von Dr. Wolfgang Schellmann

Jahreshauptversammlung der Johann-Rist-Gesellschaft mit Vortrag über von Sternsche Druckerei

Wedel – Erst kam das Vergnügen und dann die Arbeit. Bevor sich die rund 40 anwesenden Mitglieder der Johann-Rist-Gesellschaft auf ihrer Jahreshauptversammlung mit den Regularien beschäftigten und dabei Dr. Matthias Dworzack im Amt des Vorsitzenden bestätigten, erlebten sie einen ebenso interessanten wie unterhaltsamen Vortrag von Dr. Wolfgang Schellmann. Er informierte über die Druckerei von Stern, bei der der berühmte Wedeler Pastor, Künstler und Wissenschaftler viele seiner Werke veröffentlichen ließ.

Dank der Druckerei von Stern hatte sich Lüneburg Anfang des 17. Jahrhunderts einen Namen als Medienstadt gemacht. 1614 war das Haus gegründet worden, das besonders stolz auf die Qualität seiner Arbeit sein konnte, wie Wolfgang Schellmann verriet. Denn während es in den Büchern aus anderen Druckereien vor Druckfehlern oft nur so wimmelte, was bei Bibeln insbesondere die Geistlichen in Rage brachte, arbeitete man im „Officin der Sterne“ höchst akkurat. Die Luther-Bibeln durchliefen mehrere Korrektur-Stufen.

Das wusste auch Johann Rist zu schätzen, der deshalb die Lüneburger Häusern in Hamburg und Stade vorzog. Seine Gesangbücher und anderen geistlichen Werke – insgesamt 19 Titel – ließ er unter der Regie der Brüder Johann und Heinrich von Stern herausbringen. Wolfgang Schellmann informierte dabei am Rande auch ganz allgemein über Technik und Druckwerke in der Zeit vor und während des 30jährigen Krieges, er gab einen unterhaltsamen Intensivkursus, was es mit den damaligen Buch-Formaten auf sich hatte und wie teuer Bildung damals war: für nur ein Gesangbuch musste eine Magd einen halben Monatslohn aufwenden.

Johann Rist wusste die Druckerei von Stern allerdings nicht allein als Druck-Dienstleister zu schätzen. Das heute noch bestehende Unternehmen war damals ein Treffpunkt von Intellektuellen – Besuche dort müssen Festtage für Wedels bedeutendsten Denker gewesen sein, wenn er sich mit weitgereisten berühmten Verleger Matthäus Merian dort traf und sich über Gott und die Welt austauschen konnte.

Wolfgang Schellmann erhielt großen Applaus für seinen Vortrag. Und Vorsitzender Dworzack sah sich strahlend in seiner Meinung bestätigt, dass Mitgliederversammlungen keine öde Angelegenheit sein müssen, wenn man denn nur ein schönes Thema bietet.

Apropos schöne Themen: Auch fürs laufende Jahr hat die Rist-Gesellschaft wieder verlockende Ereignisse geplant. Schon am Sonntag, 5. Mai , heißt es um 11.30 Uhr: „Gartenlust und Blumenliebe – die Blumenentrées aus Rists Monatsgesprächen“. Bei diesem Gesprächskonzert wird Musik von Johann Schop und aus der Sammlung „Division Flute“ erklingen. Im         Lüchau-Gartenzentrum wird Anke Kjer den Vortrag halten, Tilman Clasen spielt  Flöten und Felix Ritter Barockgitarre und Laute.

Vormerken können sich Rist-Fans schon mal den Pfingstsamstag: „Eine Rose für den Dichter“ ist der Titel des Vortrags mit Rezitation in Kooperation mit „Literaturlandschaften e.V.“ um 15 Uhr am Rist-Denkmal. Zudem wird es am 7. September erneut einen Rist-Spaziergang geben, im Oktober wird die Cimbrische Cantorey Musik von Rist im Gottesdienst spielen.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von Jörg Frenzel von wedel.de zur Verfügung gestellt.

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